22. April 2015

Bilanz und Reisebericht Hongkong

Es hat alles geklappt, am Samstag. Naja - fast! Als wir Sonntag nach Hause kamen, so gegen Mittag, stand die Bude noch: Alle Fensterscheiben noch heil, der Eingangsbereich tadellos. Partykerzenschalen niedergebrannt und drinnen alles ruhig. Die Besucher aus ferneren Gegenden, die bei uns übernachtet hatten waren schon weg und drinnen waren die verbliebenen Sieben mit Aufräumen beschäftigt. Der Boden im Wohnzimmer war dreckig und verklebt, aber nicht so arg, wie letztes Jahr. Benni war gerade dabei, die Tische und andere Oberflächen abzuwischen, der Müll war schon in Säcken im Keller verstaut, leere Flaschen inbegriffen. Von der Alkoholika-Bilanz decken wir mal ein Tuch des Schweigens....! Leider war ein Totalausfall zu beklagen, der gegen 2 Uhr morgens mit der Ambulanz abgeholt werden musste. Sie haben alle gut reagiert, ihn zu beruhigen versucht - er randalierte offenbar - und nachdem er nicht mehr ansprechbar war, beschlossen, ihn kundigen Händen zu übergeben. Glücklicherweise konnte er am Morgen das Krankenhaus selbständig verlassen und hatte keine weiteren Folgeschäden zu beklagen - außer vielleicht ein paar graue Zellen, die auf der Strecke geblieben sind. Er hat sich bei Felix für sein schlechtes Benehmen entschuldigt und erschien Montag auch in der Schule.
Mit gemeinsamen Kräften haben wir bis ca 16 Uhr aufgeräumt, geputzt und das Wohnzimmer wieder in seinen Originalzustand gebracht,
Die Party ist nach Aussagen aller sehr schön gewesen und bis auf Einen haben sie sie auch alle bis zuletzt genießen können. 13 Leute haben bei uns übernachtet, wo und wie weiß ich nicht. Wie gesagt, bis auf sieben waren alle weg als wir kamen.

Den Abend im Exil haben wir sehr genossen. Hans hatte sehr lecker gekocht und beide haben uns nach Strich und Faden verwöhnt. Wir haben noch eine Runde Quixx gespielt, bevor wir dann gegen Mitternacht ins Bett gefallen sind. Das Frühstück war Kanadisch - oder Full English - mit baked beans, Speck und Spiegeleiern und wir hatten überhaupt keine Lust nach Hause zu fahren... *grins*.

Jetzt ist es überstanden und ich kann mich wieder anderen Sachen zuwenden. (sorry, ich bin nicht
gerade die Queen of Überleitung!)




Hongkong!

Das eigentliche, ursprüngliche Hongkong, die ehemalige britische Kronkolonie (seit 1997 nicht mehr), liegt auf einer kleinen gebirgigen Insel: Hongkong Island. China wurden nach und nach die New Territories abgetrotzt umd dem  Platzmangel zu begegnen: Kowloon etc. Zu Hongkong gehören noch zahlreiche kleinere und größere Inseln (Lantau mit dem Flughafen).



Quelle:Travel China Guide

Zwei Dinge stechen in Hongkong sofort ins Auge: die unfassbare Menge an Hochhäusern und die dicht bewaldeten Hügelketten. Die bebaubare Fläche ist aus topografischen Gründen für mehr als 7 Millionen Menschen eigentlich zu klein, weswegen in die Höhe gebaut wird.





 Das Loch in dem Haus ist übrigens für den Drachen, damit er zu seiner Badestelle fliegen kann. Echt jetzt: Steht im Reiseführer - auch das ist Feng Shui!









Immer wieder wir neues Land an der Küste aufgeschüttet um noch mehr Hochhäuser zu bauen für die stetig wachsende Bevölkerung. 

Beste Reisezeit:
Von April bis September ist Monsunzeit, dass heißt es ist drückend schwül. Die beste Reisezeit ist also von Oktober bis März. Wir hatten zwei Tage um die 27 Grad, die sich wegen der hohen Luftfeuchtigkeit jedoch wärmer anfühlten. Ohne Klimaanlage geht hier garnichts.


Wohnen in Hongkong:


Gebucht haben wir über booking.com und mussten feststellen, dass die Hotels in Kowloon oder auf Hongkong Island sehr teuer waren und dafür die Zimmer noch dazu sehr klein. Deshalb haben wir in den New Territories geguckt und ein schönes, geräumiges Viererzimmer in einem Hotel namens Royal Park Hotel in Sha Tin gefunden. Es liegt direkt an einer Shopping Mall mit Deli, Supermarkt und allem - also beste Voraussetzungen, um sich zu versorgen. Einmal die Mall überquert, hat man schon die U-Bahn Station und vor dem Hotel fuhren Busse in alle Richtungen. In 20 Minuten waren wir mit der U-Bahn in Central auf Hongkong Island.


Transportmittel in Hongkong:


U-Bahnfahren ist total easy und billig! Entweder man kauft sich Einzeltickets am Automaten, oder eine wiederaufladbare Octopus Card. Auf dem Fahrkartenautomaten ist das U-Bahnnetz abgebildet und man muss nur auf die Haltestelle tippen, wo man hin will und schon spuckt er den Preis dafür aus. Dann nur noch multiple Ticket angeben und mit wie vielen Personen man reist, Geld einschmeißen und fertig. Kreditkarten nimmt der Automat allerdings nicht, Wer kein Bargeld zur Hand hat, kann zu einem Ticketschalter gehen, dort bekommt man auch die Octopus Card, oder eine Tageskarte! Diese lohnt sich aber nur, wenn man mindestens vier Fahrten am Tag macht.


Busfahren ist auch einfach. Auf den Haltestellen sind Schilder mit den Linienplänen jeder Buslinie, sie sind auf Englisch und Cantonesisch (wie eigentlich alles) also auch für uns zu verstehen. Dem Busfahrer sagt man, wo man hinwill und wirft das Geld in eine Box. Meistens kann man auf dem Busplan den Tarif schon ablesen und das Geld passend parat haben. Auch hier, Kleingeld bereithalten!
Wir sind sehr gerne mit den Doppeldeckerbussen gefahren, denn man sieht einfach mehr von der Stadt und kommt oft durch Gegenden, die man zu Fuß nicht durchlaufen würde.Es dauert natürlich länger, als mit der U-Bahn!

Minibusse
In die entlegeneren Gegenden fahren Minibusse, die nur 16 Plätze haben. Funktioniert im Prinzip genauso!



Taxi
Sehr billig! Nur kann man die armen Fahrer ganz schön unter Stress setzen. Sie wollen gerne alles richtig machen und bemühen sich auch redlich zu verstehen, wo man hin will, aber ihr Verständnis von Landkarten und von der englischen Aussprache sind doch sehr verschieden von der Unseren! Trotzdem sind wir immer dort angekommen, wo wir hin wollten, sei es zu einem abgelegenen Museum oder zu einem Parkplatz von wo Wanderstrecken starten -  hat alles immer prima geklappt.



Essen und Trinken:
Wir hatten das Gefühl, dass Essen eines der Lieblingsbeschäftigung der Hongkong-Chinesen ist. Es gibt unendlich viel Auswahl an Restaurants, Delis, Ständen auf der Straße und kleine Lädchen in denen man frisch zubereitete Sachen kaufen kann. Es ist eigentlich für Jeden was dabei. So ganz typisch chinesische, oder cantonesische Gerichte sind teilweise sehr gewöhnungsbedürftig - auch im 
optischen Sinne..! Wenn uns etwas richtig geschmeckt hat, war es meistens koreanisch, oder aus irgendeiner Fusion-Ecke. Die süßen Sachen, wie Spongecake oder kleine Pastries waren super-lecker. Essen gehen ist auch nicht sehr teuer! In einem Deli bekommt man schon für umgerechnet 3 - 6 € eine vernünftige Mahlzeit. Im Restaurant ist das Essen natürlich aufwändiger, ist klar!



Was gibt es zu sehen?

Museen
Wir haben uns das Hongkong Museum of History angesehen und das Hongkong Heritage Museum
Es gibt noch ein sehr interessantes Polizei Museum und selbstverständlich auch Kunstsammlungen.

Tempel
Es gibt in Hongkong zahlreiche buddhistische Tempel auf Hongkong Island, in Kowloon, den New Territories und auf den Inseln. Der schönste und berühmteste ist sicherlich Po Lin auf Lantau mit der gigantischen Buddha-Statue. Da wir dort nicht waren hier ein Link.
Wir haben die Ten Thousand Buddhas Monastery besucht, denn sie liegt direkt in Sha Tin. Nur eine halbe Stunde Fußweg von unserem Hotel.



Interessant ist auch noch der Man Mo Temple, mitten in Sheung Wan (Central). Die hängenden Räucherspiralen nebeln den ganzen Raum ein und geben ihm eine ganz besondere Atmosphäre!



Märkte
In Kowloon sind Ladies Market, Bird Market, Fish Market, Flower Market, Night Market on Temple Road ganz interessant zu sehen, wobei wir nichts gekauft haben. Wie sollten wir auch einen Papagei nach Hause transportieren?


Wandern


Rund um Hongkong kann man wunderbar wandern. Gut gesicherte Wege führen kilometerweit durch den dschungelähnlichen Wald, gut ausgeschildert und in unterschiedlicher, ausbaubarer Distanz. Auf Hongkong Island direkt, kann man beispielsweise mit einer altmodischer Tram auf den Viktoria Peak hinauffahren und die Aussicht genießen.


 Anschließend kann man um den Peak Berg auf einem Höhenweg herumlaufen. Etwa eine Stunde Fußweg.
Man kann sich aber auch mit dem Taxi zu Ausgangspunkten von weiter entfernt liegenden Wanderwegen bringen lassen und dann bis zu einem einsamen Strand wandern. Ja, auch baden kann man in Hongkong!




Inseln
Von den Star-Ferry-Piers fahren regelmäßig Schiffe zu den umliegenden Inseln. Oder auf die andere Seite der Victoria Bay.

Viele davon sind richtig dörflich mit eigenem, ursprünglichen Charakter. Wir haben einen Ausflug nach Chau Chen gemacht. Mit dem schnellen Katamaran dauert die Fahrt üblicherweise dreißig Minuten und mit dem langsamen Schiff etwa eine Stunde. Die Menschen leben hier wirklich vom Fischfang und es gibt sogar noch einige Familien, die auf den Schiffen wohnen.




Menschen

Aufgrund der räumlichen Enge, in denen die Memschen hier leben müssen, hatte ich eine höhere allgemeine Aggressivitätstendenz erwartet, doch die Chinesen sind angenehm entspannt und freundlich. Ganz besonders nett gehen sie mit ihren Kindern um. Das war wirklich total nett zu sehen, wie Papa oder Mama sich geduldig um die kleinen gekümmert haben, ohne gequengel und gezeter. Ganz harminisch, als wäre bei ihnen wirklich heile Welt. Dabei leben die meisten in extrem engen Verhältnissen zu überteuerten Preisen. Wir haben für unseren Sohn schon mal spaßeshalber geguckt, was Wohnungen so kosten. Für eine 12 qm Wohnung zahlt man locker 600€, will man ein eigenes Bad und vielleicht eine richtige Küche zahlt man schon soviel wie hier für ein ganzes Haus. Es gibt Wohnungen, in die passt ein Bett und ein stehender Mensch - und das ist alles! Also alles was recht ist - ich würde da ziemlich schnell aggressiv!
Ein Freund meinte dazu ganz lapidar, dass die Asiaten eben anpassungsfähiger seien. Sie können sich schneller auf schwierige Lebensumstände einstellen, als wir verwöhnten Europäer! Ich fürchte, da ist was dran!

Hongkong - ein Shopping Paradies?


Nein! Ganz eindeutig nicht! Grund dafür sind trotz der allgegenwärtigen Konsumtempel die Preise!
 Es gibt hier an Elektronik und Mode alles, was man sich nur vorstellen kann: So viele Chanel, Louis Vuitton und Yves St. Laurent Geschäfte habe ich noch nicht auf einmal gesehen. In jeder Shopping Mall Eines - und Shopping Malls gibt es hier richtig, richtig viele! Ich behaupte mal, man könnte einmal von Nord nach Süd oder von Ost nach West unter Benutzung von  U-Bahn Eingängen und Fußgängerunter- und -überführungen Kowloon und Central in Shopping Malls durchqueren, ohne den Fuß an die frische Luft zu setzen. Und überall gibt es die gleichen Marken.
Lili und ich - wir beiden Kleinwüchsigen, hatten uns schon auf die Ostasiatischen Labels gefreut, die für uns Kleidung in der richtigen Größe und Länge in rauhen Mengen anbieten. Doch weit gefehlt. Nach diesen Geschäften muss man richtig suchen! Alles ist voll von Luxuslabels und dem üblichen Amerikanischen Marken erst in der hintersten Ecke unserer eigenen Mall in Sha Tin sind wir dann endlich fündig geworden. Für Lili haben wir einen schönen Rock gefunden, der ihr nicht direkt von der Hüfte fällt und eine sehr hübsches, außergewöhnliches Oberteil. Ich habe einen tollen Tüllrock gefunden, wir ich ihn mir schon lange gewünscht habe. Ich hatte schon Pläne ihn selbst zu nähen, habe ab er bis jetzt nur sehr groben und harten Tüll gefunden.





Alles in allem!
Bis auf den Transport, Eintritte und  die Verpflegung sehr teuer! Es gibt für eine Woche genug zu sehen und es ist sehr abwechslungsreich. Fünf Tage hätten es mit straffem Programm wahrscheinlich auch getan' aber da wir noch die Berufsschule besichtigt haben und Felix sich bei der Kammer und bei einer Firma sich hat vorstellen können, haben wir nicht soviel hineingepackt und haben lieber eine Schiffchenfahrt oder eine entspannte Wanderung gemacht.
Felix ist der Auffassung, dass er es in Hongkong zwei Jahre gut aushalten könnte und er hofft natürlich, dass sich ein Unternehmen für ihn interessiert!



Meine Empfehlung wäre 4 oder 5 Tage Hongkong (quasi China für Anfänger) und anschließend noch 4 Tage Shanghai oder Peking.




So, jetzt muss ich mich beeilen, denn die Sonne strahlt heute noch einmal wunderbar vom Himmel und ich fahre jetzt schnell zum Hallerbos, wilde Hyazinten bewundern!

Gros bisou
Sandra

Kommentare:

  1. Wow, das sind tolle Eindrücke.
    Vielen Dank für´s Mitnehmen!
    Liebe Grüße von Heike

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  2. bonjour sandra, très belles images de la vie à Hong Kong ! tes détails précis permettent à tous de se faire une idée de la ville ! je retrouve avec tes photos et ton commentaire l'esprit tranquille asiatique (vu en famille à Ho Chi Minh) qui tranche avec notre façon souvent stressée de voir les choses.
    belle journée
    monique

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  3. Haha.....das nenn ich echt mal ne gelungene Überleitung. ;)) Mir schwant schon Fürchterliches wenn meine Jungs mal wilde Parties bei uns zu Hause feiern. Hong Kong ist bei mir schon 13 Jahre her und ich hab superviel vergessen. Ich fand es toll, aber viel zu groß, voll und städtisch. Aber ihr habt ja immerhin auch mal einen schönen Walk durch die Natur machen können. Und chinesisches Essen wird wohl nie mein Fall werden. Urx. LG, Nadine

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  4. Lieben Dank für deinen sehr ausführlichen Reisebericht! Ich glaube, mir reichen aber deine Bilder...irgendwie zieht es mich so gar nicht in die Gegend...;-). Ich glaube, ich bin zu europäisch geprägt...;-))). LG Lotta.

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  5. Hallo liebe Sandra,

    danke für den ausführlichen Reisebericht. Asien an sich würde mich ja auch mal interessieren aber mein Mann
    will da nicht hin. Na ja vielleicht bekomme ich ihn noch weich gekocht :-)
    Wenn dein Sohn dort seine Ausbildung maacht, dann wird es dich ja sicher noch mal dort hin verschlagen.

    Liebe Grüße aus Berlin
    Doreen

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