27. Juni 2014

Serigrafie, oder wie kommen eigentlich die Löcher in den Käse?


Es gibt so Dinge, da kann ich mir einfach nicht vorstellen, wie die funktionieren sollen. Kennt ihr sicher auch, oder? Hoffe ich jetzt mal...!
Zualleralleralleroberst steht da: Musik, also jetzt Orchester und so, auf CD kriegen nur mit 0 und 1! Das ist mir einfach unerklärlich!
Oder: Jaquard-Muster. Ich habe schon 'zig Museen, Webereien etc besucht und mir bleibt trotzdem das Gefühl, dass ich mir mein Hirn verbiegen und mir die Ohren brechen muss, um das zu kapieren.
Genauso ging es mir ( ha, bis vor Kurzem) mit Serigrafie, oder Siebdruck.
Mir war die Vorgehensweise absolut schleierhaft und dennoch faszinierte mich diese Technik schon seit langem. Ich wollte unbedingt herausfinden wie das Bild auf die Schablone bzw. dann später auf das zu bedruckende Material kommt.
Die Beschreibung bei Wikipedia brachte auch nur Klarheit bis zu dem Punkt, dass es irgendwie mit Lichtempfindlichkeit und Feinen Sieben zu tun hat, aber wie jetzt genau das Bild auf dem Druckrahmen landet, wurde mir auch nach mehrmaligem Lesen nicht klar.
Hier in Brüssel gibt es einen ganz tollen riesengroßen Laden für Künstlerbedarf mit einer etwas kleineren Dependance für jedweden Bastelbedarf, den man sich so vorstellen kann.
In diesem Laden befindet sich im oberen Stockwerk eine große Rahmenwerkstatt und ein Atelier für Workshops. Fast jeden Tag könnte man hier einen solchen buchen. Von Filzen über Schmuckherstellung, Cartonnage, Scrapbooking, Glasperlen herstellen wird alles angeboten was das Herz begehrt.



Da ich vor zwei Jahren mal ein Cartonnage-Atelier mitgemacht habe, bin ich im Verteiler und bekomme zweimal im Jahr die Workshop- Agenda zugesandt.
Wie der Zufall es wollte, war für Anfang Mai ein Serigrafie-Workshop angesetzt.
Jou, hab' mir gedacht, wenn das kein Wink mit dem Brückenpfeiler ist....!
Da das Verfahren zeitaufwändig ist, ging dieser Workshop über acht Stunden während dessen man sich ein Druckmotiv aussucht, es auf den Druckrahmen bringt und dann damit Verschiedenes bedruckt. Möglich sind bei diesem Verfahren Papier, Stoff und Karton.
Wir hatten Druckrahmen von etwa DIN A 4 Größe. Es handelt sich hierbei um ein sehr feinmaschiges Sieb durch das später die Farbe duchgedrückt wird.



Zunächst muss auf das Sieb eine lichtempfindliche Emulsion dünn aufgetragen werden und für eine bestimmte Zeit eintrocknen.
Die Wartezeit nutzen wir, um uns ein Motiv auszusuchen, das wir drucken wollten.
Die Lehrerin hatte verschiedene Musterbücher sowie Folianten mit Werken von Künstlern vorbereitet, sowie Beispielarbeiten von Teilnehmern früherer Workshops. Es muss ein zweifarbiges Motiv sein, dessen Kontrast ausreichend hoch ist damit sich das Muster eindeutig mitteilen kann.
Meine Freundin, die mit mir da war, hat ein sehr hübsches Motiv in schwarz/weiß rausgesucht bei dem sich hinterher herausstellte, dass einige Linien zu zart waren um sich richtig zu übertragen.
Glücklicherweise hatte ich ein besseres Händchen bei meiner Wahl. In einem Buch mit japanischen Drucken wurde ich fündig.
Von der Vorlage macht man eine saubere schwarz/weiß Kopie und im Anschluß eine Kopie auf eine Folie.
Wenn der Rahmen getrocknet ist, legt man die Motivfolie auf den Druckrahmen, beschwert das Ganze mit einer Glasplatte ind plaziert es unter einer UV- Lampe.
Nun wird der Rahmen eine bestimmte Anzahl Minuten belichtet.
Die Emulsion wird dort durch das Licht in das Sieb "eingebrannt", wo kein Schwarz auf der Folie war, also wo das Licht durchscheinen konnte. Das Sieb wird dadurch so "verklebt" dass dort keine Farbe beim Druckprozess mehr durch kann. Auf dem Druck bleiben diese Stellen ohne Farbe.
Alles, was auf der Kopie schwarz war, bleibt offen und lässt Farbe durch.
Die Emulsion der unbelichteten Stellen muss man dann mit kaltem Wasser ausspülen und den Rahmen gut trocknen lassen.


              

Zum Drucken wählt man nun die Farbe aus. Man legt den Rahmen auf das Papier, das bedruckt werden soll und kippt ein bisschen Farbe auf den oberen Teil und streicht sie mit der Raclette gleichmäßig über das Sieb. Dabei läuft die Farbe an den gewünschten Stellen durch das Sieb und bedruckt so das Trägermaterial.

Beim Abheben des Rahmens muss man jetzt höllisch aufpassen, damit man nicht alles verschmiert.
Ich habe zum Eingewöhnen erst einfaches weißes Papier genommen, bevor ich mich getraut habe den Stoff zu bedrucken. Man braucht tatsächlich Mut, Tatkraft und ein bisschen Übung, aber dann klappt es prima. Ich hätte am liebsten alles bedruckt, was nicht bei drei auf dem Baum war!


Tja und da hat man dann schön serigrafiert und gedruckt un nü, wohindemith?

Das kommt davon, wenn man so unbedarft und planlos bei einem Workshop aufschlägt: am Ende hat man Material für eine ganze Armée und keinen Plan, was man damit machen soll!

Täschchen, ha! Das kann man immer brauchen, zum Verschenken, zum Selbsbenutzen, zum Andiewandnageln!

Tätäää:



Fünf habe ich bis jetzt fertig gekriegt. Einen vergurkten Prototyp, weil ich erst hoffte, den Reißverschluss auch mit der Hand sauber eingenäht zu kriegen und ein grau-orange-farbenes habe ich schon verschenkt.
Ein schwarzes Täschle bring ich meiner Mum als nachträgliches Geburtstagsgeschenk mit und wen ich mit den restlichen vier beglücke, weiß ich noch nicht.

Vielleicht fandet ihr es ja auch ganz interessant, mal hinter die Kulissen der Serigrafie zu schauen und wenn nicht, habt ihr eh die Seite schon wieder verlassen...!

Vielen Dank für eure Geduld und ich wünsche euch ein tolles Wochenende.

Gros bisou ihr Lieben da draußen!
Sandra

1 Kommentar:

  1. danke für alle einzelheiten ! ich hätte nie gedacht dass seriegraphie so kompliziert ist ! und ich finde dein Muster sehr sehr schön !
    liebe grüsse
    Monique

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