7. Februar 2016

Frei wie ein Vogel



Als ich ein Kind war, habe ich viel mit Playmobil gespielt! Es war gerade auf den Markt gekommen, als ich fünf Jahre alt war. Meine ersten Figuren erhielt ich aber erst mit sieben, oder acht - so genau erinnere ich mich nicht mehr. Zu Weihnachten bekam ich einmal das kleine Fachwerkhaus nebst Mobiliar und Figuren.

Ich habe mich unglaublich darüber gefreut und habe wirklich, wirklich viel damit gespielt. Nach einiger Zeit konnte ich noch den Planwagen, einige Pferde, Schafe und Kühe mein Eeigen nennen, sowie einen OP-Saal, Polizisten und einen Marktstand. Kurz: eine wilde Mischung. Doch in der kindlichen Fantasie passte alles prima zusammen, ich zweckentfremdete, wo es opportun schien: die Krankenhausbetten wurden zu normalen Betten, das OP-Besteck wurde Essbesteck und die Ausstattung der Polizei konnte man sehr gut zur Selbstverteidigung bei einem unerwarteten Indianerangriff gebrauchen.

Bei schönem Wetter zog ich mit meiner Kiste voller Playmobil in den Garten auf unsere Terrasse. Diese hatte schöne, rechteckige Platten - etwas größer als ein DIN A 4 Blatt. Ideal also, um das Haus hineinzusetzen und sich die Plattenbegrenzungen als Gartenzaun, Straße o.ä. vorzustellen. Ich richtete mich ein: das Haus wurde mit Möbeln vollgestellt, ein Stall eingerichtet, eine Remise für die Kutsche. Nachbarn zogen ein und interagierten mit "mir". Vertieft spielte ich eine Weile, bis ich merkte, dass ich den ganzen Plunder nicht vernünftig verwenden konnte. Das Geschirr und Besteck purzelten garantiert vom Tisch, wenn ich mit meiner dicken Hand die Figuren im Haus umherwandern ließ, geschweige denn, dass ich mir die Mühe machte, sie den Männchen beim Essen an die Hände zu stecken. Alles viel zu mühsam. Der ganze Kram fing an, mich zu belasten. Das Spiel machte mir so keinen Spaß mehr und ich beschloss umzuziehen und nur das mitzunehmen, was in den Planwagen passt.

frei wie ein Vogel
Befreit zog ich mit einer Minimalausstattung und meinen Tieren im Schlepptau, einem amerikanischen Treck gleich, auf eine weiter entfernte Terrassenplatte, um neu zu beginnen. So spielte ich eine Weile, aber nicht ohne von Zeit zu Zeit etwas aus der alten Behausung zu holen, was mir mit einem Mal wieder unverzichtbar schien. Bis sich nach einiger Zeit dasselbe Bild bot, wie vor meinem ersten Umzug: Ich hatte schon wieder viele Dinge angehäuft, die mich im Spiel zu lähmen begannen!

Ich frage mich, woher diese Neigung zum Horten kommt - auch im Leben 1.0? Dieses "für alle Fälle" Aufheben. Nachkriegserfahrungen können das ja bei mir nicht sein. Ist es die Überzeugung, dass mehr Besitz glücklicher macht? Bin ich so von der Werbung beeinflusst, dass ich Bedarf sehe, wo eigentlich keiner ist? Warum ist es so schwer dem Kaufimpuls zu widerstehen?
Und wieso belasten mich das? Wieso ärgere ich mich darüber 15 Vasen zu haben, von denen ich maximal 6 brauche? Wieso nerven mich die ganzen Teelichthalter, die sich auf wunderbare Weise bei jedem Ikea-Besuch in meinen Einkaufswagen geschmmuggelt haben. Oder die geerbten Tischdecken, die ich noch nie auf den Tisch gelegt habe, die ich aus Pietätsgründen behalte, genau wie die alten Schulhefte der Kinder?.Kabel und Charger für längst kaputte Handys verknoten sich fröhlich in einer Schublade für den Fall, dass wir mal wieder ein Handy haben, wo der Anschluss passt?

Wie kommt es zu dieser Diskrepanz? Zu dieser Diskrepanz, dass ich mich so unendlich befreit fühle, wenn ich es geschafft habe, mich von Überflüssigem zu trennen und der Sucht, das "perfekte" Teil zu erwerben und meinem Besitz hinzuzufügen?
Welches ist von den beiden das richtige Gefühl? Was bringt mich in beiden Fällen dazu, so zu fühlen? Bin ich das? Ist das meine Umwelt?

Das befreiende Gefühl beim Entrümpeln kommt aus mir selbst. Diese tiefe Ruhe und Zufriedenheit beim Anblick eines übersichtlich geordneten Regalbretts, oder einer absolut leeren Fläche. Das fühlt sich einfach gut an.
Wer impft mir dann die Kauflust, die Sammellust ein? Auch ich? Die Gesellschaft? die Werbung? Social Media? Alles zusammen?

Eine mögliche Erklärung ist, dass viel Besitz als ein Zeichen von Wohlstand gesehen wird! Und Wohlstand muss man zeigen. Wir müssen zeigen, dass wir mehr haben als der Nachbar - oder zumindest genauso viel, denn sonst glauben wir, im Leben weniger erfolgreich zu sein. Warum?


Es genügt doch, dass die Kinder gesund und fröhlich sind, dass die Arbeit Spaß macht, dass wir eine schöne, genussvolle Zeit miteinander haben - das ist, was wirklich und dauerhaft glücklich macht. Nicht der Vergleich mit dem Nachbarn!
Aber es ist so schwer, es sich immer wieder vor Augen zu führen, denn ständig wird von allen Seiten suggeriert, dass wir zum Glücklichsein, dieses und jenes brauchen. Wir brauchen bloß die Zeitung aufzuschlagen, den Fernseher anzumachen eine Webseite zu öffnen, schon springen uns neue Bedürfnisse entgegen, von denen wir bis vor fünf Minuten gar nicht wussten dass wir sie jemals haben werden!
(Sehr schöner Artikel über die Werbung: hier entlang)

Ich habe für mich jedenfalls beschlossen, in Zukunft gut aufzupassen! Ich werde meine Bedürfnisse und Wünsche hinterfragen, bevor ich zur Kasse stiefele. Ich werde weiter entrümpeln, bis ich das Gefühl habe, jederzeit meine Sachen zusammenpacken zu können und umzuziehen. 

Ich will frei sein! Frei von Gerümpel und all dem Kram, der mich behindert!
Und ihr?

Gros bisou
Sandra

Die Himmelsbilder gehen zur Raumfee


Zum Weiterlesen:
  1. choice, choice everywhere (the guardian)
  2. The Minimalists  Webseite,  TEDx Talk auf youtube A rich life with less stuff
  3. Ich kauf nix: Webseite
  4. becoming minimalist Webseite
  5. Weniger ist mehr: Blog
  6. möchtegern-minimalistin: Blog
  7. Das Minimalismusexperiment: Blog
  8. Zero Wase Home: Blog
  9. Trash is for tossers: TEDx teensBlog




2. Februar 2016

Kalender-Recycling

Dieses Jahr habe ich total vergessen, mir einen neuen Kalender zu kaufen.
Glücklicherweise sind die Rückseiten des Familienkalenders von 2015 leer!



Man benötigt nur Washi-Tape, bunte Filzstifte, ein ausreichend langes Lineal (und Tipp-Ex, wenn man so blöd ist wie ich!)

Seid schlau, und beginnt das Jahr auf der Rückseite des Dezemberblattes, dann kann man gescheit zwischen den Monaten blättern!

Schnell verlinkt zum Creadienstag!

Ach ja: und hier noch eine Sammlung von Bildern, die mein Mann immer macht um sie unserem Sohn nach Hongkong zu schicken.
Seit den Anschlägen von Paris hatten wir hier in Brüssel ja zeitweilig Terrorwarnstufe 4. Mittlerweile sind wir schon eine Weile auf Stufe drei.
Man merkt es lediglich noch an der Militärpräsenz auf den Straßen und in großen Kaufhäusern und am Flughafen. Manchmal müssen die Jungs allerdings auch alltägliche Dinge verrichten wie Geld abheben, sich einen Kaffee kaufen etc.
Meine Tochter hat vor Weihnachten einen Soldaten beobachtet wie er, von einem Passanten darauf angesprochen, ob er wohl ein Foto von sich mit seiner Tochter gestatten würde, das kleine Mädchen kurzerhand auf die Ladefläche des Militärfahrzeugs hob und sich grinsend neben sie stellte um für das Foto zu posieren. Meine Tochter war so platt, dass sie vergaß davon ebenfalls ein Foto zu machen....! Schade!

von links oben: Flughafen, bei IKEA, im Carrefour express, bei Exki, am Geldautomat der ING-Bank

Tja, Brüssel ist schon anders! 
Aber bestimmt kein Rattenloch, wie es der feine Herr mit dem dreimal um den Kopf gewickelten, orange gefärbten Resthaar so medienwirksam herausposaunt...!

Gros bisou
Sandra

29. Januar 2016

Der Masterplan: Tips rund um effizientes (und dauerhaftes) Aufräumen



Das Neue Jahr ist die Zeit der guten Vorsätze Die Menschen nehmen sich Dinge vor, die sie in ihrem Leben ändern wollen. Sie wollen schlechte Gewohnheiten ablegen, sich bessere Gewohnheiten zulegen.
Ich denke jeder hat in seinem Leben schon einmal mehr oder weniger erfolgreich versucht diese guten Vorsätze in die Tat umzusetzen. Hat es geklappt ist man stolz, wenn nicht frustriert. Oft sind die gefassten Pläne zu groß, zu einschneidend für das bequeme Leben und der Misserfolg vorprogrammiert. Die kleinen Schritte sind da schon erfolgversprechender. Ein Belohnungsanreiz hilft auch gelegentlich.

Was mir hilft, wenn ich mir etwas Unangenehmes vornehme, ist der Vorher-Nachher-Effekt. Dazu muss er natürlich sichtbar sein.

In der letzten Zeit haben sich hier in unserem Häuschen etliche Kruschtelecken angesammelt, die mich schon lange stören. Wie sie entstehen, weiß vermutlich jeder: Aus Faulheit legte ich einen Gegenstand auf den Schrank, anstatt ihn nach Benutzung wieder zurück in den Keller zu bringen. Die Kleidungsstücke stapeln sich auf dem Gewandsessel im Schlafzimmer und modern vor sich hin. Die leeren Flaschen vermehren sich auf wunderbare Weise und keiner kommt auf die Idee, damit mal zum Flaschenkontainer zu gehen, denn dazu müsste man vorher die Pfandflaschen aussortieren. 
Im Vorratsschrank horten Lebensmittel, die ich irgendwann mal gekauft habe, als ich ein Rezept im Hinterkopf hatte, aber nicht mehr wiederfand, oder in dem nur ein Bruchteil der üblicherweise verkauften Menge benötigt wurde. 
In der Rumpelschublade der Küche lagern Dinge in herrlichem Durcheinander, die ich schon seit Monaten nicht mehr benutzt habe: Zwei Käsehobel (ich brauche noch nicht mal einen davon), Blumensamentütchen (wozu sind die in der Küche?), ein Nussknacker (brauche ich eigentlich nur im September und Oktober), ein dicker Malerpinsel (?), Geburtstagstortenkerzenstummelchen nebst Halterung, etc. etc.

...und das Schlimme ist: diese Sammlungen gibt es überall im Haus! Im Bad, im Keller, im Wohnzimmer - you name it!

All diese Ecken, an denen der Blick unzählige Male am Tag hängenbleibt, ärgern mich, und ärgern bedeutet negative Energie und negative Energie kann ich überhaupt nicht brauchen!

Gegen Ende des Jahres wurde es mir zu bunt und ich habe mir ein System ausgedacht um dieser Kruschtelecken Herrin zu werden. (Mein Mann hat da eine höhere Frustrationsschwelle).

Mein Plan:

1. Mach Fotos von jeder einzelnen Kruschtelecke mit dem Handy.

2. Räum' eine Ecke nach der anderen auf und lösche anschließend das Foto von der Liste.

Oder, alternativ

3. Mach ein Foto von der aufgeräumten Ecke und hol dir einen Belohnungskeks!



Mit den Kindern habe ich es früher genauso gemacht. Wenn ich wollte, dass sie ihr Zimmer aufräumen, damit ich die Wollmäuse mal einsammeln konnte, machte ich ihnen zuerst eine gemalte und später dann eine geschriebene Liste mit den einzelnen Spielzeuggrüppchen die auf dem Fußboden verstreut waren: Lego, Playmobil, Barbie, Bücher, Kleidungsstücke etc. 

Mit dem abstrakten Begriff "aufräumen" tun sich Kinder beim Anblick eines völlig chaotisch zugerümpeltem Kinderzimmers schwer und wissen nicht, wo sie anfangen sollen. Eine übersichtliche Liste hilft ihnen, einen Anfang zu finden und das Abhaken eines Punktes motiviert und macht stolz.

Mir geht es genauso. Ist die Aufgabe zu groß und zu komplex, bremst es die Inangriffnahme. Spaltet man sie in kleine Häppchen auf, die man Stück für Stück erledigen kann, ist das viel motivierender.

An dem Tag, an dem ich diese Idee hatte, war ich im Anschluss dermaßen motiviert, dass ich 7 von 10 Fotos löschen konnte. Und ich kann euch sagen: Allein der Anblick der Ordnung ist (für mich) Belohnung genug!

Damit die Ordnung auch Ordnung bleibt:


1. Alles braucht seinen Platz:

Damit die Ordnung auch Ordnung bleibt, braucht alles seinen Platz und damit auch alles, was wirklich gebraucht wird einen Platz bekommen kann, sollte man sich schnellstens der Sachen entledigen, die man eigentlich nicht braucht (2 Käsehobel!).

2. Spende alles was du nicht brauchst:

Dazu muss man nicht alle Sachen wegschmeißen. Es gibt sicher in der Nähe einen Oxfam oder EineWeltLaden, eine Tauschbörse, einen Trödelmarkt, wo man die gesammelten Werke abgeben kann.


3. Verkaufe, was sich verkaufen lässt:

Bücher, CDs und DVDs kann man wunderbar bei Momox.de verticken. Auf deren Webseite kann man die ISBN-Nummer oder den Barcode des Produktes eingeben und sieht sofort, wieviel man dafür bekommt. Zugegebenermaßen sind es meist Pfennigbeträge, aber manche DVDs oder auch gebundene Bücher sowie die sogannten "Coffee-Table-Books" gehen für gutes Geld weg.
Man packt alles in eine Kiste, legt den Lieferschein hinein und klebt den Retourenadressaufkleber drauf und kann das Paket umsonst zur Post geben. Anschließend kann man den Status der Einsendung auf der Webseite überprüfen. Es kommt vor, dass sie der Zustand mancher eingesendeter Bücher nicht überzeugt, wenn sie beispielsweise Beschädigungen aufweisen. Dann bekommt man dafür nichts.
Wir haben letzte Woche ein Paket mit 80 Büchern, CDs und DVDs eingesendet und dafür 112€ bekommen. Bis jetzt haben sie erst drei Sachen abgelehnt, die jeweils 0,15€ gebracht hätten. 
Andere Plattformen wie Ebay und Kleiderkreisel sind sicher auch bekannt!


4.Vermeide Spontankäufe:

Um sich nicht wieder von Neuem zuzumüllen, sollte man sich vor jedem Spontankauf ernsthaft fragen, ob man das fünfzehnte Ringelshirt wirklich braucht. Am Besten, man fährt erst mal nach Hause und hebt sich den Kauf für später auf. Es läuft ja nicht weg. Meistens hat man das ach so ersehnte Teil nach kürzester Zeit vergessen. Wenn das Herz tatsächlich dran hängt, fährt man eben wieder hin und besorgt es sich doch.


5. Vermeide den Schlußverkauf:

Man sollte der Versuchung widerstehen, etwas zu kaufen, bloß weil es gerade so billig ist. Kauf nur Sachen, die dir wirklich stehen, an denen du lange Freude hast und die eine gute Qualität haben. Mach dich frei von dem Gefühl, dass dir etwas unwiederbringlich davonläuft, wenn du es jetzt nicht mit nimmst. Das ist Quatsch!
Geh niemals Klamotten einkaufen, wenn du unglücklich oder frustriert bist. Es hat sich ja doch herumgesprochen, dass das Glücksgefühl über ein neu erworbenes Kleidungsstück oder Dekoteilchen ca 20 Minuten nachdem man zu Hause angekommen ist, bereits verschwunden ist.
Geh lieber ins Kino, rufe eine liebe Freundin an, oder triff dich mit jemanden zum Kaffee. Schnapp' dir deinen Fotoapparat, geh' spazieren und versuche die schönen Dinge festzuhalten.

6. Suche dir leckere Rezepte für deine gesammelten Zutaten:

Für den überfüllten Vorratsschrank habe ich den folgenden Tipp: Pinterest!
Gib beispielsweise "rote Linsen" in die Suchfunktion ein und such dir das leckerste, einfachste Rezept raus, besorg dir die fehlenden frischen Zutaten und leg los.
Ich hatte zum Beispiel Polenta gekauft, nur um festzustellen, dass es eigentlich keiner aus meiner Familie mag (außer mir). Trotzdem wollte ich den Beutel nicht wegwerfen. Bei Pinterest habe ich mehrere ungewöhnliche Rezepte gefunden, die einfach in der Zubereitung waren und von denen ich sicher war, dass meine Bande sich davon überzeugen lässt. Es hat geklappt.
Zur Not kann man die ungeliebte Zutat auch immer noch verschenken, bevor man sie wegwirft....!


So, nun noch etwas anderes: Gestern war ich im Krankenhaus zur Nachsorge und Nachbesprechung meiner OP-Ergebnisse. Es ist nichts Invasives gefunden worden und der nächste Kontrolltermin ist im nächsten Januar. 
Ich danke euch allen für eure lieben Gedanken und Wünsche - es hat geholfen.
Mein Mann hat mir vor lauter Freude einen Blumenstrauß mitgebracht, den ich jetzt beim Holunderblütchen verlinken werde.
Ich freue mich total und es ist, als hätte man mir mein Leben neu geschenkt.




Gros, gros, gros bisou
Sandra



12. Januar 2016

Time to say sorry!




Wie fange ich es an?

I am sorry!




Ich musste mein Leben neu sortieren und Manches hatte darin temporär keinen Platz.

Ich habe mir die Sinnfrage dieses Blogs gestellt (den auch Sarah sich kürzlich gestellt hat): braucht diese Welt diesen Blog?

Dass mein Sohn nach Hongkong gegangen ist, war es gar nicht, sondern diese blöde Diagnose, die ich nach einer Mammographie und anschließender Biopsie bekommen habe - LCIS, die mich aus der Bahn geworfen hat.

Ich musste die Tragweite dieses Befundes erfassen und verarbeiten - parallel dazu ist meine beste Freundin an invasivem Brustkrebs erkrankt (ja, schon wieder eine).

Im Internet kursieren viele Informationen über LCIS. Von halbjährlichen Screening bis zur Amputation beider Brüste und Eierstöcke ist alles dabei - sehr ermutigend und beruhigend. Das machte es mir unheimlich leicht.

Krebs kann wirklich jeden treffen: Nichtraucher, Vegetarier, Kaum-Alkhohol-Trinker, glückliche, sportliche Menschen ohne Stress, ohne erbliche Vorbelastung. Es macht vor keinem Halt und man kann sich auch nicht wirklich schützen.

Das ist so! Sicher, man kann sein Schicksal herausfordern mit Kettenrauchen, Alkoholismus und ausdauerndem Konsum von stark gegrilltem Fleisch und nitritgepökelten Würstchen. Aber es klappt auch so!

Nach der K.O.-Phase der Konfrontation kam eine Phase der Euphorie. Wo ich mich zuerst gefragt habe, was das alles überhaupt für einen Sinn hat, fing ich an mich über den letzten Scheiß zu freuen, gut gelaunt singend im Brüsseler Stau zu stehen und grinsend durch die Gegend zu laufen.

Leider gibt es kein Ende vom Lied, keine endgültige Konsequenz. Es wird beobachtet, geschallt, geröngt und gemagnetresonanzt was das Zeug hält und meine Chance an invasivem Brustkrebs zu erkranken liegt immer noch unter 10%. Oder anders gesagt: Ich habe eine etwa 90%ige Chance NICHT daran zu erkranken. Damit arbeite ich und mit nichts sonst!

Ich habe mich verändert, aber es geht mir gut und ich blicke nach vorn. Manchmal blicke ich gerne nach vorn und manchmal gerne und ein bisschen wehmütig zurück.

Wo es mit diesem Blog hingeht, weiß ich noch nicht. Lust hätte ich schon, ihn wiederzubeleben, ehrlich gesagt.

Auf jeden Fall bitte ich euch um Verzeihung für mein Stillschweigen!

Gros bisou
Sandra

P.S.: Das Artischockenherz ist für euch.